Mit der Liste der Beispielunternehmen effektiv arbeiten

In Kursen versuchen wir, möglichst praxisnah die verschiedenen Theorien, Konzepte (Frameworks) und Modelle aus dem Studium auszuprobieren. Sei es nun für Übungen im Kurs oder für eine Open-Book-Klausur mit Transfer. Der nachfolgende Beitrag zeigt, wie Sie sich schnell in ein Unternehmen einarbeiten und betriebswirtschaftliche Modelle auf die Praxis übertragen.

1. Warum arbeiten wir mit Beispielunternehmen?

Im Laufe des Semesters werden Sie verschiedene Unternehmen und Organisationen aus einer Liste von rund 200 Beispielen kennenlernen. Ziel ist es, betriebswirtschaftliche und managementbezogene Konzepte nicht nur theoretisch zu verstehen, sondern auf reale Geschäftsmodelle, Branchen und Wettbewerbssituationen anzuwenden.

Sie sollen dabei lernen, sich schnell in ein unbekanntes Unternehmen einzuarbeiten, relevante Informationen zu recherchieren und theoretische Modelle auf konkrete Herausforderungen zu übertragen.

Dabei gilt ein wichtiger Grundsatz:

Nicht jedes Unternehmen funktioniert gleich – aber jedes lässt sich mit betriebswirtschaftlichen Fragen systematisch untersuchen.

Ein Automobilhersteller, ein Onlinehändler, eine Krankenkasse und eine kommunale Verwaltung haben unterschiedliche Aufgaben, Finanzierungsmodelle und rechtliche Rahmenbedingungen. Gerade diese Unterschiede machen den Vergleich interessant.

Die Handreichung zur Open-Book-Klausur betont außerdem, dass es nicht darauf ankommt, möglichst viele KI-generierte Informationen zu sammeln. Entscheidend ist vielmehr, die relevanten Informationen auszuwählen, kritisch zu beurteilen und die wichtigsten Ergebnisse strukturiert auf Papier zu übertragen.

2. Ihr Vorgehen: In fünf Schritten zum Verständnis

Schritt 1: Unternehmen identifizieren

Finden Sie heraus, was das Unternehmen konkret macht, welche Produkte oder Dienstleistungen es hauptsächlich anbietet und wer seine Kunden sind.

Schritt 2: Geschäftsmodell einordnen

Ist es Hersteller, Händler, Dienstleister, Plattform oder eine öffentliche Organisation? Wie entsteht der Nutzen für die Kunden?

Schritt 3: Markt, Wettbewerb und Digitalen Reifegrad verstehen

In welcher Branche ist das Unternehmen aktiv? Wo konkurriert es mit anderen Anbietern, und wie digital ist sein Geschäftsmodell?

Schritt 4: Wirtschaftlichkeit nachvollziehen

Woher kommen die Einnahmen? Welche Kosten entstehen? Welche wirtschaftlichen, gesellschaftlichen oder öffentlichen Ziele verfolgt die Organisation?

Schritt 5: Wissen anwenden

Übertragen Sie die im Semester behandelten Modelle auf das Unternehmen. Entwickeln Sie konkrete, realistische und begründete Handlungsempfehlungen.

3. Die wichtigsten Unterscheidungen auf einen Blick

Nutzen Sie die folgende Übersicht, sobald Ihnen ein Beispielunternehmen zugeteilt wird. Die Kategorien sind keine starren Schubladen: Viele Unternehmen vereinen mehrere Geschäftsmodelle. Entscheidend ist, welche Merkmale für die jeweilige Aufgabenstellung relevant sind.

Unterscheidung

Woran erkennen Sie den Unterschied?

Was bedeutet das für Ihre Analyse?

Marke / Hersteller vs. Händler

 

Hersteller entwickeln oder produzieren eigene Produkte. Händler kaufen Produkte ein und verkaufen sie weiter. Marken können selbst produzieren oder fertigen lassen.

 

Hersteller betrachten Produktentwicklung, Produktion, Qualität, Lieferketten und Markenführung. Händler analysieren Sortiment, Einkauf, Lagerhaltung, Verkaufsflächen, Preise und Handelsspannen.

Privatwirtschaft vs. öffentliche Organisation

 

Privatunternehmen verfolgen wirtschaftliche Ziele. Behörden erfüllen öffentliche Aufgaben. Öffentliche Unternehmen und Körperschaften können Mischformen aufweisen.

Untersuchen Sie Eigentum, Finanzierung, Entscheidungswege, rechtliche Vorgaben und Erfolgskriterien. Gewinn ist nicht bei jeder Organisation das zentrale Ziel.

National / D-A-CH vs. international / global

Prüfen Sie, in welchen Ländern das Unternehmen tätig ist und wo es Kunden, Standorte, Lieferanten und Wettbewerber hat.  

 

Bei regionalen Unternehmen sind lokale Marktkenntnisse und persönliche Kundenbeziehungen wichtig. International kommen Wechselkurse, unterschiedliche Gesetze, Kulturen, Lieferketten und Markteintrittsstrategien hinzu.

 

Produkt vs. Dienstleistung

 

Produkte sind körperliche Güter oder digitale Produkte. Dienstleistungen beruhen auf einer Leistung, etwa Beratung, Transport, Versicherung oder Übernachtung.

 

Bei Produkten sind Herstellung, Sortiment, Lagerbestand und Produktqualität wichtig. Bei Dienstleistungen stehen Servicequalität, Personal, Auslastung, Prozesse und Kundenerlebnis im Vordergrund.

Serienprodukt / Massenproduktion vs. Individualisierung

Werden standardisierte Produkte in großen Mengen gefertigt oder nach Kundenwünschen konfiguriert und individuell hergestellt?  

Analysieren Sie Skaleneffekte, Produktionskosten, Lieferzeiten, Variantenvielfalt und Zahlungsbereitschaft. Individuelle Lösungen können höhere Preise erzielen, verursachen aber häufig höhere Prozesskosten.

 

Online-Shop vs. Plattform

Ein Online-Shop verkauft eigene oder eingekaufte Produkte. Eine Plattform vermittelt oder ermöglicht Interaktionen zwischen mehreren Marktseiten.  

Beim Shop untersuchen Sie Sortiment, Conversion Rate, Warenkorb, Logistik und Retouren. Bei Plattformen kommen Netzwerkeffekte, Teilnehmergewinnung, Provisionen, Vertrauen und die Balance zwischen Marktseiten hinzu.

 

Stationär vs. online vs. Omnichannel

Verkauft das Unternehmen vor allem im Geschäft, über digitale Kanäle oder integriert über mehrere Kanäle?  

Betrachten Sie die Customer Journey, die Verknüpfung von Kanälen, Datenintegration, Bestandsanzeige, Abholung, Lieferung und kanalübergreifenden Kundenservice.